Kastensystem Songbun

Bild:Committee for Human Rights in North Korea

Die gesamte Bevölkerung Nordkoreas ist in ein Kastensystem eingebunden (genannt „Songbun“), bestehend aus drei Hauptklassen, die Loyalen, die Wankelmütigen und die Feindlichen Bürger. Diese drei Klassen sind dann noch in 51 Unterkategorien unterteilt. Die Zugehörigkeit zu einer Klasse wird vererbt, begründet durch eine Art „Vererbungslehre“, die davon ausgeht, dass „verräterisches Verhalten“ über „das Blut“ auf die nächste Generation übertragen wird. Die eigene Klasse innerhalb des Songbun-Systems hat erhebliche Auswirkung auf alle Aspekte des Lebens: Zugang zu Bildung, medizinischer Versorgung, der Wohnort und die Strafen bei Verhalten, das vom Regime als Verbrechen angesehen wird.

Die Klasse der „feindlich Gesinnten“ steht dadurch unter einem Generalverdacht und leidet häufig besonders unter Verbrechen gegen die Menschlichkeit, so z.B. Zwangsabtreibungen,

Zwangssterilisation, und in vielen Fällen unter der Deportation ganzer Familien in die Lager für politische Gefangene (diese Lager wurden von der UN Untersuchungskommission als Konzentrationslager betitelt).

Die Zugehörigkeit zu einer Klasse im Songbun-System ist oft begründet auf dem Verhalten der eigenen Vorfahren während der Japanischen Kolonialzeit (1905 – 1945). Das Kastensystem ist nach oben sehr und undurchlässig, auch bei Hochzeiten wird daher genau darauf geachtet, einen Ehepartner der eigenen Klasse zu finden.

Geschätzt werden die Mitglieder der drei Hauptklassen auf folgende Zahlen:

  • die „Loyalen“: ca. 28%
  • die „Wankelmütigen“: ca. 45%
  • die „Feindlichen“: ca. 27%

Eine kleine Oberschicht in Nordkorea, geschätzt auf 200.000 bis 300.000 Menschen, die „Loyalsten“ in diesem Kastensystem, lebt dagegen in einem relativen Wohlstand. Sogar die gelegentliche Ausreise nach China zu Shoppingtouren oder für Geschäftsreisen wird manchem Funktionär erlaubt. Diese „Elite“ lebt in der Hauptstadt Pjöngjang, besitzt Tablet-PCs und Smartphones und kauft mit Fremdwährung Luxusartikel ein. Auch wird diese Elite gerne Touristen, Delegationen und Wissenschaftlern vorgeführt, die gerne berichten, wie stark der Wohlstand und Fortschritt in Nordkorea anwächst.

Allerdings ist auch das zum großen Teil nur schöner Schein, ein Teil selbst der „Loyalen Klasse“ in der Hauptstadt Pjöngjang ist noch auf Schwarzmärkte angewiesen, um das Lebensnotwendige zu erwerben. Touristen und andere Besucher bekommen das natürlich nicht zu sehen.

Nächtlicher Schwarzmarkt in Pjöngjang

Nächtlicher Schwarzmarkt in Pjöngjang